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Be WiFi – Be Cloud

Das Neueste aus der WiFi-Welt

Datenkomfort hat seinen Preis - Interview mit Tim Gülicher

Interview mit Tim Gülicher, Vice President Sales & Marketing bei The Cloud Networks, und der First Class (Ausgabe 1-2/15)

Herr Gülicher, WiFi ist zum Gratis-Muss-Angebot im Außer-Haus-Markt avanciert. Doch mit Verweisen auf fehlende technische Möglichkeiten und zu hohen finanziellen Aufwendungen neigen noch immer einige Betriebe zum Schmalspurhandeln. Zurecht?

Das Thema WiFi ist mittlerweile in der Hotellerie gesetzt und jeder weiß, dass er es haben muss. Allerdings geht es bei vielen immer noch einzig um Fragen der Anlagenanschaffung und -finanzierung und inwiefern WLAN kostenfrei oder -pflichtig angeboten werden sollte. Der Marktdruck ist bei den deutschen Hoteliers extrem groß, WiFi kostenfrei anzubieten. So interessieren sich nur wenige auch für die Technologie dahinter und setzen z. B. mögliche Funktionen wie den Mobile-Check-In dann auch wirklich ein.

Aber das ist auch vielmals eine Frage der Kommunikation und Erwartungen.

Ja, und zwar auch getrieben von den Buchungsportalen – z. B. mit Rankings, bei denen Hotels mit kostenfreiem WiFi die ersten zehn Plätze belegen. Diese sagen aber oft nichts darüber aus, ob sich der kostenfreie WLAN-Zugang nur auf die Lobby bezieht, auf die Zimmer oder auf das ganze Hotel. Und so kommt es, dass viele Businessreisende am Abend noch ein wenig arbeiten wollen, Online-Video Portale nutzen oder Videos auf Youtube anschauen wollen, aber die Infrastruktur dies nicht hergibt – , erst recht wenn das Hotel voll belegt ist. Viele werden dann das Hotel wahrscheinlich nicht wieder buchen bzw. sich auf Online-Portalen beschweren.

Wie wäre der richtige Weg beim Breitbandaufbau?

Zuerst müssen Hotels die Bandbreiten hochverfügbar machen und eine vernünftige Netzwerk-Infrastruktur bereitstellen, die für einen großen Datenstrom gewappnet ist – unabhängig vom Preis und vom Businessmodell. 100 MBit klingen erst einmal viel, sind aber endlich. Wer bei 100 Zimmern 30 bis 50 % Gäste hat, die das Internet nutzen, mag das gehen. Bei einem Take-up von 30 bis 40 % und Hotelgästen, die jeweils zwei oder mehr Geräte nutzen, ist aber die Leitung voll. Und sie ist voll, weil sie kostenfrei ist. Würde für den Gast ein Preis dahinter stehen, würde er auch überlegen, ob er sein privates Tablet nutzen würde. Wir können keine Generalantwort auf die einzig richtige Strategie geben, diese muss individuell für jedes Hotel und jede Gesellschaft gefunden werden.

Aber Ihre Empfehlung ist, dass Hotels WiFi kostenpflichtig anbieten sollten?

Wenn ich Hotelier wäre, dann würde ich unter Umständen einen kostenfrei limitierten Zugang neben einem kostenpflichtigen, wertigen Zugang anbieten.

Ist dieser Ansatz auch in der Gastronomie umsetzbar? Hier geht es doch eher um andere Datenmengen, und es gibt das Problem der Abrechnung.

In der Gastronomie haben Sie natürlich nicht das Problem, dass große Datenmengen benötigt werden. Damit müsste ein Café auch nicht mit 100 Mbit ausgestattet werden. Die Gastronomie hat ein anderes Problem: Viele Betreiber befürchten, dass die Gäste bei einem Getränk stundenlang surfen, worauf SUBWAY ® z. B. mit einem zeitlich reglementierten Access reagiert hat. Zudem haben viele Einzelgastronomen günstige DSL-Leitungen und WLAN-Router mit einer einfachen Verschlüsselung gekauft. Das hat viele Jahre funktioniert, doch inzwischen sind etliche Abmahnungen eingegangen, weil sich z. B. Jugendliche beim Gastronomen Musikdateien heruntergeladen haben.

Und was ist die Alternative dazu?

Ein professioneller Anbieter, über den die Erhebung der gesetzlich vorgeschriebenen Daten erfolgt und der den Gastronomen aus der Haftungsverantwortung nimmt. Wir wissen zwar nicht immer zu 100 %, wer was herunterlädt, aber wir speichern die Daten – und das macht der Router aus dem Elektro-Fachmarkt meistens nicht. Diese Daten halten wir für behördliche Anfragen vor, das Telekommunikationsgesetz gibt uns dabei ganz klar vor, welche Datensätze verkehrs- und verbindungstechnisch gespeichert werden müssen.

Wie intensiv nutzt die Gastronomie bisher die WLAN-Angebotsmöglichkeiten?

Abgesehen von den gut ausgestatteten Systemern, hängt gerade die Einzelgastronomie noch in vielen Gebieten hinterher, wobei es hier vor allem um kostenfreie Angebote gehen sollte. Aber es wird besser. Erst kürzlich war ich in einem griechischen Restaurant, das sich ganz nah an der niederländischen Grenze befindet und seinen Gästen ganz direkt einen freien WLAN-Zugang anbietet. Die holländischen Gäste können sich dadurch die Roaminggebühren sparen und kommen gerne.

Umso internationaler das Publikum, umso interessanter ist damit WLAN auch als echter Service.

Ja, auf jeden Fall. Ich beobachte immer wieder, dass die Gäste aktiv nach WiFi im Café oder Restaurant fragen – fast jeder hat mittlerweile ein Smartphone. Ein Gastronom, der hier sagt, er bietet kein kostenfreies WiFi an, der ist schon weit weg, von dem, was sich die Gäste eigentlich wünschen. Im nächsten Schritt lässt sich damit wiederum auch mehr verkaufen, indem u. a. auf der Landingpage tagesaktuelle Angebote beworben werden. Bei Subway z. B. ist hier gleich das Sub des Tages abgebildet. Bei Starbucks kann darüber sogar die Bestellung online abgegeben werden. Doch die Hotellerie ist hier insgesamt weiter, weil nicht nur der Bedarf höher ist, sondern auch die Bereitschaft der Gäste, sich an der Rezeption oder im Internet zu beschweren.

Das stellt aber auch deutliche Anforderungen an den Datenschutz.

Bei 13 Mio. Usern im Monat und über 70 Mio. Sessions sind unsere Datenmengen sehr groß. Der Datenschutz ist daher ein Thema, das wir neben der Verbindungsqualität am meisten im Blick haben und dafür sogar von der Bundesnetzagentur zertifiziert sind. Wir garantieren unseren Nutzern in der Hotellerie und Gastronomie zu 100 %, dass wir seine Daten nach den gesetzlichen Vorgaben speichern und löschen, aber nicht ohne ihr Einverständnis weitergeben. Einzig im Retail-Bereich haben wir bei Einzelprojekten etwas die AGBs gelockert, aber nur weil der Nutzer ein Interesse daran hat. Bei der Hotellerie und Gastronomie sehe ich das nicht, denn die Branche schreibt sich selbst die Diskretion als oberstes Gebot auf die Fahne.

Was halten Sie von Entwicklungen wie Google Glass?

Die gehen mir persönlich zu weit. Ich möchte ehrlich gesagt nicht, dass per Augenzwinkern dem Front Desk Mitarbeiter alle über mich im Netz verfügbaren Informationen digital abgebildet werden, man ist ja auch irgendwo noch eine Privatperson mit entsprechender Privatsphäre. Inwiefern dieser Einsatz der Glasses und in welchem Umfang die Nutzung erlaubt ist, regelt jedes Land verschieden. Doch letztlich stellt sich für den Hotelier auch das Problem, dass sein Gast gar nicht mehr überblickt, was heute mit seinen Daten passiert. Es gibt z. B. WLAN-Provider mit einem Login über den eigenen Facebook-Account, d.h. Facebook erhält automatisch die Daten sowie der stationäre POS, bei dem man online geht. Uns geht das zu weit, wir arbeiten so nicht, besonders im Hotelbereich, wo es vielen um Diskretion geht. Ich möchte als Hotelgast selbst auch nicht, dass mir das Hotel versteckt in seinen AGBs zur WiFi-Nutzung den Hinweis gibt, dass meine Daten an Drittanbieter weitergegeben werden und ich nicht weiß, wer die Drittanbieter sind. Ich möchte nicht, das Facebook weiß, dass ich gestern im Hotel X in München war und morgen in Berlin.

Geht es um eine neue Datenethik?

Ja. Ich finde, dass die Diskussionen weg vom Businessmodell hin zum Thema Datenqualität und -schutz gehen müssen. Es gibt zwei Hotelgesellschaften auf dem internationalen Parkett, die einige Euros fürs WiFi nehmen und dafür die Datensicherheit und eine vernünftige Qualität garantieren. Viele andere agieren mit Pseudo-Lösungen. Aber Gäste, die zu Hause Glasfaseranbindungen & Co. haben, geben sich nicht mit einer Geschwindigkeits- oder Volumen-begrenzten Verbindung oder kostenfreiem Lobby-Zugang zufrieden, erst recht nicht bei einer Nacht für200 €. Da müssen die Diskussionen hingehen – und zwar in der Chef-Etage. Vielen Dank für das Gespräch. syk

Finden Sie das Original-Interview hier.