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Be WiFi – Be Cloud

Das Neueste aus der WiFi-Welt

Servicekanal WiFi - Interview mit Tim Gülicher

Interview mit Tim Gülicher, Vice President Sales & Marketing bei The Cloud Networks, und der 24 Stunden Gastlichkeit (Ausgabe 01/15)

WiFi ist mehr denn je ein Service-Muss für den Gast – vor allem als betriebseigener Marketingkanal, betont Tim Gülicher von The Cloud Networks Germany im Gespräch mit uns und pocht zugleich auf einen echten Datenschutz.

Herr Gülicher, der Gast erwartet heute ein schnelles, sicheres und vor allem kostenfreies WLAN-Angebot. Doch viele Betriebe neigen mit dem Verweis auf fehlende technische Möglichkeiten und zu hohe Kosten noch immer zum Schmalspurhandeln. Zurecht?

Blickt man auf die Hotellerie, so ist das Thema WiFi mittlerweile gesetzt und jeder weiß, dass er es haben muss – auch wenn hier noch primär Fragen der Anlagenbeschaffung im Fokus stehen und der hohe Druck zu Gratisangeboten zu Lasten der Datenmengen und -qualität geht. Die Gastronomie hängt hingegen mit ihren WLAN-Angeboten noch ziemlich hinterher, obwohl hier keine 100 Mbit/s gebraucht werden. Ich beobachte immer wieder, dass die Gäste aktiv nach WiFi im Café oder Restaurant fragen – fast jeder hat mittlerweile ein Smartphone. Ein Gastronom, der hier sagt, er bietet kein kostenfreies WiFi an, der ist schon weit weg, von dem, was sich die Gäste eigentlich wünschen. Doch seitens der Betreiber ist die Befürchtung vielerorts groß, dass die Gäste bei einem einzigen Getränk stundenlang surfen und der Umsatz stockt. Systemgastronomen wie SUBWAY® haben darauf z. B. mit einem zeitlich reglementierten Access reagiert. Ein anderes Problem ist, dass viele Einzelgastronomen in der Vergangenheit günstige DSL-Leitungen und WLAN-Router mit einer einfachen Verschlüsselung gekauft haben. Das hat viele Jahre funktioniert, doch inzwischen sind etliche Abmahnungen eingegangen, weil sich z. B. Jugendliche beim Gastronomen Musikdateien heruntergeladen haben.

Was ist die Alternative dazu?

Ein professioneller Anbieter, über den die Erhebung der gesetzlich vorgeschriebenen Daten erfolgt und der den Gastronomen aus der Haftungsverantwortung nimmt. Wir wissen zwar nicht immer zu 100 %, wer was herunterlädt, aber wir speichern die Daten – und das macht der Router aus dem Elektro-Fachmarkt meist nicht. Diese Daten halten wir für behördliche Anfragen vor, das Telekommunikationsgesetz gibt uns dabei ganz klar vor, welche Datensätze verkehrs- und verbindungstechnisch gespeichert werden müssen.

Wenn es um neue Vertriebsmöglichkeiten geht, müsste bei einem internationalen Publikum WLAN als ein echter Service umso interessanter sein, oder?

Ja, auf jeden Fall. Erst kürzlich war ich in einem griechischen Restaurant an der niederländischen Grenze, das seinen Gästen einen freien WLAN-Zugang anbietet und so vor allem Holländer anlockt, die sich die Roaminggebühren sparen. Doch die Möglichkeiten für die Gastronomie sind noch vielfältiger, denn im nächsten Schritt lässt sich auch mehr verkaufen, indem u. a. auf der Landingpage tagesaktuelle Angebote beworben werden. Bei SUBWAY® z. B. ist hier gleich das Sub des Tages abgebildet. Bei Starbucks kann darüber sogar die Bestellung online abgegeben werden.

Dies stellt aber auch deutliche Anforderungen an den Datenschutz.

Bei 13 Mio. Usern im Monat und über 70 Mio. Sessions sind unsere Datenmengen sehr groß. Der Datenschutz ist daher ein Thema, das wir neben der Verbindungsqualität am meisten im Blick haben und dafür sogar von der Bundesnetzagentur zertifiziert sind. Wir garantieren unseren Nutzern in der Hotellerie und Gastronomie zu 100 %, dass wir ihre Daten nach den gesetzlichen Vorgaben speichern und löschen, aber nicht ohne sein Einverständnis weitergeben. Einzig im Retail-Bereich haben wir bei Einzelprojekten etwas die AGBs gelockert, aber nur weil der Nutzer ein Interesse daran hat. Bei der Hotellerie und Gastronomie sehe ich das nicht, denn die Branche schreibt sich selbst die Diskretion als oberstes Gebot auf die Fahne.

Was halten Sie von Entwicklungen wie Google Glass?

Die gehen mir persönlich zu weit. Ich möchte ehrlich gesagt nicht, dass per Augenzwinkern dem Front Desk Mitarbeiter alle über mich im Netz verfügbaren Informationen digital abgebildet werden, man ist ja auch irgendwo noch eine Privatperson mit entsprechender Privatsphäre. Inwiefern dieser Einsatz der Glasses und in welchem Umfang die Nutzung erlaubt ist, regelt jedes Land verschieden. Doch letztlich stellt sich für den Hotelier auch das Problem, dass sein Gast gar nicht mehr überblickt, was heute mit seinen Daten passiert. Es gibt z. B. WLAN-Provider mit einem Login über den eigenen Facebook-Account, d.h. Facebook erhält automatisch die Daten sowie der stationäre POS, bei dem man online geht. Uns geht das zu weit, wir arbeiten so nicht, besonders im Hotelbereich, wo vielen um Diskretion geht. Ich möchte als Hotelgast selbst auch nicht, dass mir das Hotel versteckt in seinen AGBs zur WiFi-Nutzung den Hinweis gibt, dass meine Daten an Drittanbieter weitergegeben werden und ich nicht weiß, wer die Drittanbieter sind. Ich möchte nicht, das Facebook weiß, dass ich gestern im Hotel X in München war und morgen in Berlin.

Finden Sie das Original-Interview hier.